Hummer, Hummerinen, Mütter und Er

Vom Förderverein und SEB Vorstand eingeladen hat Dr. Jan-Uwe Rogge am 28.03.2017 in der ausverkauften Aula den anwesenden Eltern eine Lachtherapie verpasst.

 

 

rogge

Rogge ist Erziehungsberater und Autor von Büchern mit Titeln wie „Pubertät Loslassen und Haltgeben“. Die Essenz dieses Buches stand im Mittelpunkt von rund neunzig vergnüglichen Minuten, in denen Rogge in freier Rede mit vielen Geschichten erklärte, dass Pubertät zwar mühsam für alle Familienmitglieder sei, dass es aber nicht in einen Nervenkrieg ausarten müsse, denn mit der Pubertät können man auch produktiv umgehen. Der als „Erziehungspapst Deutschlands“ bezeichnete Rogge erhob bei seinem Vortrag nicht oberlehrerhaft den Zeigefinger, er setzte vielmehr seine Spitzen und brachte seinen Rat mit verschmitztem Lächeln sowie treffenden Familien-Alltags-Geschichten an die Eltern. Den Müttern pickliger, von Akne gezeichneter Jugendlicher, denen die erste Hälfte des Vortrags gewidmet war, trieben die Ansichten des Erziehungsratgebers die Tränen in die Augen – vor Lachen. „Er“ (der Vater) bekam als „Last-Minute-Erzieher“ von Rogge in der zweiten Hälfte des Abends sein Fett ab.

Eltern Pubertierender sehen so aus wie Sie – nicht mehr ganz jung, fertig, den Gedanken ins Gesicht geschrieben „Womit habe ich das nur verdient?“
Rogge nahm gleich bei der Begrüßung kein Blatt vor den Mund. „Bitte. Danke. Ja Mama…“ – natürlich gebe es pflegeleichte Kinder. Doch seien dies nur die, „die bei Südwind gezeugt wurden…“

Aus dem kindlichen Körper wird allmählich ein erwachsener Körper. Allmählich – denn es entsteht nicht sofort die Venus oder der Adonis. Da sind Mutationen angesagt…“

Jedes Kind hat einen eigenen Fahrplan, mit dem es die Pubertät durchläuft - einige starten zu früh, andere spät, einige halten überall, nehmen jede Bahnstation mit, andere halten sich an einigen Bahnhöfen besonders lange auf, manche fahren im ICE-Tempo, manche wie eine Zahnradbahn, und wieder andere fahren nicht nur vorwärts, sie fahren zurück, um zu schauen, woher sie gekommen sind."

Jan-Uwe Rogge gewann die Sympathie seiner Zuhörer mit der „Methode KGN“= Kopfschütteln, Grinsen, Nicken. So peinlich, wie die von ihm angeführten überbesorgten Eltern bin ich aber nicht – ich schüttele den Kopf. Es ist übertrieben, was er sagt, aber mein Kind wird Rogge zustimmen - ich grinse. Seine Beschreibungen haben einen wahren Kern - ich nicke zustimmend.

Gekonnt und comedymäßig verpackt kommen seine Erziehungstipps daher, wenn der Sohn oder die Tochter trotzig reagiert: „Aber alle anderen dürfen das“…
„Nachfragen statt nachgeben“ rät Rogge.
„Seid doch mal aufbegehrend und nicht so pädagogisch wertvoll!“
Sagen Sie: „Ja, es stimmt, vor dir steht die gemeinste Mutter von Frankfurt!'“

Doch hatte Rogge auch Mitgefühl mit den armen „Pubertieren“, die in „sorgfältig gegen Sauerstoffzufuhr abgedichteten Höhlen leben, in denen die Streuordnung herrsche.“

Biologisch nachweisbar“ vergleicht er das pubertierende Kind mit einem Hummer und einer Hummerine. Da wachse das Fleisch zuerst, der Panzer drücke und werde daher abgeworfen. Schutzlos verkriechen sich Hummer und Hummerine in eine dunkle, stickige Höhle. Da ließe es sich wunderbar leben, wenn nicht immer eine Person vor der Kinderzimmertür auf und ab patrouillieren würde: Die Mutter!
Mütter schwebten über allem, sogar über den Schulen und hätten nichts Besseres zu tun, als dem pubertierenden Kind täglich Fragen über Fragen zu stellen.
Allzeit bereit, packten sie sogar die „unter Schmerzen“ frühmorgens selbst gebackenen Dinkelbrötchen freudig als Pausenbrot ein, welche die Kinder in der Pause gegen eine Milchschnitte tauschten…

Im Publikum machte Rogge vereinzelt auch (erziehende, virtuell erziehende, freiwillig
oder unfreiwillig mitgekommene) Männer aus: „Er“ käme ja nur mit, wenn es bei der Erziehung während der Pubertät nicht laufe.
Väter sind anders, stellt Rogge heraus, zu unterscheiden seien Väter wie der „Kumpeltyp“, Marke „forever young“ oder „Wischi-Waschi-Typen“ sowie der „General“, der um 18 Uhr zu Hause seine „Bodentruppen“ (Kinder) mitsamt „Feldmarschall“ (Frau) durcheinander bringe. Viele Väter hielten sich lange aus der Erziehung raus, hebt Rogge hervor: „Väterliche Last-Minute-Erziehung“, nennt Rogge das, getreu dem Motto
“Frau, du hast lange genug herumexperimentiert, jetzt lass mich mal…“

„Alles normal“, lautete Rogges Botschaft. „Pubertierende wollen Erwachsene, an denen sie sich reiben können, die ihnen Grenzen setzen, die ihnen mit ihrem Erfahrungsvorsprung Halt geben. Jedoch keine Besserwisser“ und ganz wichtig „die Kinder wollen keine Eltern zum Freund oder zur Freundin mit schütterem Haar und schlaffer Haut; ihre Freunde sind Gleichaltrige“.

Und sollte ihr Töchterchen Emilia bei Torben tatsächlich die „Knackpojeans“ und was darin steckt so toll finden und daher in der Schule nicht aufpassen, sagt Rogge:
„Cool bleiben, so waren wir alle Mal. Und wenn nicht, Pech gehabt!“

A. Kissenbeck-Linkmann /29.03.2018